Mi 24.05.2017 I  A+ a -

Stifter

Stiftung Orth ab Hagen

Stifter: Conrad Orth ab Hagen
Gründungsdatum: 28. Oktober 1594 (am Montanum)
Förderschwerpunkt: Unterstützung der Familiennachkommen bis zum abgeschlossenen Studium, inklusive einer Promotion

Dr. iur. utr. Conrad Orth ab Hagen (1522-1589), eigentlich Conrad Orth, nahm aus Dankbarkeit für seinen Onkel Bernhard ab Hagen dessen Nachnamen an. Der Onkel finanzierte Orth ab Hagen das Studium und ermöglichte ihm zudem die anschließende Promotion. Orth ab Hagen studierte in Köln und blieb nach seiner Promotion im Jahr 1548 bis zu seinem Tode an der Juristischen Fakultät. Er hatte verschiedene weltliche und kirchliche Ämter inne: Zum einen war er in den Jahren 1562/63 und 1670/71 Rektor der Universität Köln, zum anderen Kanoniker an diversen Kölner Kirchen, ab 1554 war er zudem Kölner Domherr.

Der Onkel Bernhard ab Hagen erklärte Conrad Orth ab Hagen, obwohl er zwei eigene Kinder hatte, zum Alleinerben - allerdings unter der Bedingung, dass dieser mit dem gesamten Geld eine katholische Familien- und Studienstiftung errichten müsse. Nach dem Tod des Onkels im Jahr 1556 versorgte Conrad Orth ab Hagen jedoch zunächst seine Geliebte und seine leiblichen Kinder mit dem geerbten Vermögen. Erst spät errichtete Orth ab Hagen die Familienstiftung für seine eigenen und die Nachkommen seines Onkels, de facto gegründet wurde die Stiftung sogar erst fünf Jahre nach seinem Tod.


Stiftung Johann Swolgen

Stifter: Johann von Swolgen
Gründungsdatum: 9. August 1588 (am Montanum)
Förderschwerpunkt: Förderung bedürftiger und würdiger Nachfahren, Studium und Promotion in katholischer Theologie

Dr. iur. utr. und Mag. art. Johann von Swolgen (1522-1592) wurde in Geldern nahe der niederländischen Grenze geboren, seine Familie stammte aus dem Ort Swolgen in den Niederlanden. Er wurde zum Doktor beider Rechte promoviert ("Doctor iuris utriusque", nach mittelalterlichem Verständnis war das Recht zweigeteilt, und zwar in das weltliche Recht und das kanonische Kirchenrecht). Von Swolgen lehrte an der Juristischen Fakultät der alten Kölner Universität und war von 1577-1579 deren Rektor. Er war zudem Domkapitular, Kanoniker an verschiedenen Kölner Kirchen und Generalvikar des Erzbischofs und Kurfürsten Ernst von Bayern. 

Johann von Swolgen gründete seine Studienstiftung am 9. August 1588. Ausschlaggebend für diesen Schritt war laut Stiftungsurkunde in erster Linie sein starker Gottesglaube, so heißt es z.B. an einer Stelle: "Ich [habe] öfters bei mir erwogen, daß ich nicht der Herr und Besitzer der zeitlichen Dinge sei, sondern als Spender von Jenem bestellt worden, [...], daß ich, soviel an mir ist, zur Erhaltung und Erquickung seiner heiligsten Religion und seiner geliebtesten Braut, der durch die Wogen dieser stürmischen Zeit so sehr hin und hergeworfenen und gebeugten katholischen Kirche beitrage". Von Swolgen legte seiner Stiftungsurkunde sehr umfassende "Statuten" bei, wie sich die von ihm geförderten Stipendiaten verhalten mussten, um dauerhaft in den Genuss der Förderung zu kommen: von Tischordnungen und -regeln über Anzahl und Uhrzeit der täglichen Gebete bis hin zu Anordnungen über die Zubettgehzeit (im Sommer und Winter unterschiedlich).


Stiftung von Mülhem

Stifter: Caspar von Mülhem
Gründungsdatum: 1. August 1584 (am Laurentianum)
Förderschwerpunkt: Finanzielle Förderung bedürftiger und würdiger Studenten, bevorzugt Familiennachkommen

Caspar von Mülhem (1545-?), Sohn des Kölner Bürgermeisters Melchior von Mülhem, war Ratsherr in Köln. Die überlieferte Amtszeit von 1559-1577 kann so allerdings nicht stimmen, da Caspar von Mülhem als 14-jähriger Junge sicher noch kein Mitglied im Rat der Stadt war. Eventuell liegt eine Verwechslung mit seinem Onkel vor. Von Mülhem war mit einer Catharina von Fedderhen verheiratet und hatte mit ihr neun Kinder.

Die Stiftungs Caspars von Mülhem bedenkt arme, bedürftige Studenten, die nicht zweingend aus der Familie des Stifter stammen müssen. Destinatäre sind laut Stiftungsurkunde "cölnische Söhne, [...], welche in demselben Laurentianer-Gymnasium am Rhein sowohl in den Grundlagen der Studien, als in guten Sitten und der catholischen Religion bis zur vorgeschriebenen Qualification erzogen sind, sie mögen aus der Verwandtschaft oder aus dem Geblüt des gedachten Herrn Stifters, oder auch nicht aus derselben gezeugt sein". Es handelt sich in diesem Falle somit nicht um eine reine Familienstiftung.


Stiftung von Ruischenberg

Stifter: Heinrich von Reuschenberg
Gründungsdatum: 10. Februar 1574 (am Laurentianum)
Förderschwerpunkt: Finanzielle Förderung für katholische Studenten der Theologie und Priesteramtsanwärter

Die Familie Heinrichs von Reuschenberg (um 1528-1603) war dem Deutschen Orden eng verbunden und so wurde auch von Reuschenberg selbst ab 1547 Mitglied des Ordens in der Ballei Biesen. Der Deutsche Orden war ein Ritterorden, der sich neben militärischen Aufgaben vor allem für Kranke und Arme einsetzte. Diese Bereitschaft zum selbstlosen Helfen lässt sich auf das Weltbild der Ordensbrüder zurückführen: gestiftet wurde häufig, und zwar in erster Linie, um durch ein irdisches Leben in Armut, Keuschheit und Gehorsam das eigene Seelenheil im Himmel zu gewährleisten. Ganz im Sinne des Ordens und der Gegenreformation, deren Anhänger von Reuschenberg war, setzte er sich auch für ein neues Bildungsprogramm ein und stiftete deshalb im Namen seiner Ballei Studienplätze; so auch zwölf Plätze für das Laurentianum: drei für Adelige, drei für Bürgerliche und drei für arme Bewerber.

Die Stiftungsurkunde Heinrichs von Reuschenberg ist ein besonders einducksvolles Beispiel dafür, wie Anforderungen und Vorgaben der Stifter an die Destinatäre sich im Laufe der Zeit verändern können. Von Reuschenberg beschreibt über viele Seiten hinweg äußerst destailliert, wie sich die zukünftigen Nutznießer seiner Stiftung zu verhalten haben. Ein Beispiel: "Latein soll Jederzeitt Ire spräch sein unnd da einer Teusch reden wurde, soll nach wolgefallen des Hern Regenten punyrt [bestraft] werden." Diese Anordnung ist so in der heutigen Zeit natürlich weder umsetzbar noch sinnvoll. Die zum Teil jahrhundertealten Schriftstücke müssen heute deshalb genau interpretiert und eventuell behutsam auf neue Wirklichkeiten und Umstände übertragen bzw. ihnen angepasst werden.


Stiftung Mathisius

Stifter: Gerhard Matthis
Gründungsdatum: 10. Juni 1573 (am Montanum)
Förderschwerpunkt: Finanzielle Unterstützung für die Gymnasialzeit und das Studium der katholischen Theologie

Dr. theol. Gerhard Matthis (um 1522-1572) war von 1546-1558 Professor am Montanum und stand der Burse ab 1557 auch als Regens vor. Bis zum Jahr seiner Regentschaft hatte er den Lehrstuhl für Griechisch an der Universität Köln inne, 1558 promovierte er und wurde Professor für katholische Theologie. Von 1562-64 war er Rektor der Universität, 1553 Kanoniker an St. Aposteln und 1556 am Kölner Dom. Matthis war ein erklärter Gegner der Jesuiten. Wie und ob sich diese Abneigung auf sein Verhältnis zu seinen Kollegen vom Gymnasium Tricoronatum, das von 1556-1773 von Jesuiten geleitet wurde, auswirkte, ist allerdings nicht überliefert.

Gerhard Matthis errichtete seine Stiftung vorzugsweise für seine Nachfahren oder junge, talentierte Bedürftige aus seiner Heimatstadt Geldern, alternativ aber auch für andere fromme und fleißige Studenten. Neben dieser Familien- und Studienstiftung hinterließ er der Montanerburse allerdings auch seine beeindruckende Bibliothek, die von "den Regenten, auch seinen Successoren sampt den [...] Studenten" genutzt werden konnte. Höchstwahrscheinlich konnten einige Bände aus der umfassenden Bibliothek des Gerhard Matthis über die Wirren der Zeitgeschichte hinweg bis heute gerettet werden, als Teil der sogenannten Gymnasialbibliothek. Diese setzt sich zusammen aus den Buchbeständen des ehemaligen Jesuitenkollegs in Köln, einiger Kölner Klöster und der Gymnasien Montanum und Laurentianum. Als im Zuge der französischen Besatzung Ende des 18. Jahrhunderts die Universität zu Köln und viele Klöster in der Umgebung aufgelöst wurden, wurden die nunmehr herrenlos gewordenen Bibliotheken der Bildungseinrichtungen, ebenso wie die vielen Studienstiftungen, unter dem Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds zusammengefasst. Heute befindet sich die ca. 33.000 Bände umfassende Gymnasialbibliothek als Dauerleihgabe in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln und wird von Studierenden auch heute noch eingesehen und genutzt.


Stiftung Büscher

Stifter: Heinrich Büscher
Gründungsdatum: 30. November 1571 (am Laurentianum)
Förderschwerpunkt: Finanzielle Untersützung für Studierende der Theologie und Gymnasiasten

Dr. theol. Heinrich Büscher (1495-1564), geboren im belgischen Tongern, war Pfarrer an Klein St. Martin, Kanoniker am Kölner Dom und Regens am Laurentianum. Büscher stiftete eine „stete Rente von 1400 Goldgulden“ zur Errichtung einer Studienstiftung am Laurentianer Gymnasium. Obwohl ursprünglich als Familienstiftung angelegt, finden sich in der Stiftungsurkunde über die Familie des Stifters keine Informationen. Testamentsvollstrecker waren Johann Kempen und Johann von Walschartz, der ebenfalls aus Tongern stammte.