Einmal Stiftungsfest und zurück

Einmal Stiftungsfest und zurück – und warum sich die Anreise von 1200 km gelohnt hat

 

Ein Feedback von unserer Stipendiatin Letizia Vecchio.

 

Siena: 5.30 Uhr

Ich laufe über die berühmte Piazza del Campo zum Bahnhof – es ist noch neblig um diese Uhrzeit, etwas hektisch gehe ich die engen Gassen entlang, verfluche mal wieder die alten Pflastersteine, auf denen mein Rollkoffer ein Mordsgetöse macht, und hoffe nur, dass ich den Zug nicht verpasse. Außer mir scheinen nur noch die Schwalben wach zu sein, ihr Gekreische ist bereits jetzt zu hören. Mein Ziel ist meine Heimatstadt Köln – der Grund für meine Abreise aber diesmal nicht wie sonst immer, ein Familienbesuch, sondern das diesjährige Stiftungsfest der Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds, an dem ich als neu aufgenommene Stipendiatin teilnehmen darf. Im Februar dieses Jahres hatte ich mich auf eine Studienförderung beworben, mir allerdings keine allzu großen Chancen ausgemacht. Als ich Ende Mai dann die Zusage erhielt, war die Freude umso größer. In die Stiftung aufgenommen zu werden, empfand ich als besondere Wertschätzung meiner Leistungen und erfüllte mich mit Stolz.

 

Bologna: 10.50 Uhr

Ich sitze im Flugzeug – erreicht habe ich es mal wieder sehr knapp – und denke daran, dass noch ein ziemlich langer Tag vor mir liegt. Dass ich mich überhaupt auf die weite Reise gemacht habe, ist wohl hauptsächlich meiner Mutter zu verdanken. „Da gehst du auf jeden Fall hin“, sagte sie mir am Telefon, als ich von der Einladung zum Fest berichtete. Zugegeben, mich während der Prüfungsphase wegen eines einzigen Abends in Zug und Flieger zu setzen, schien mir ziemlich anstrengend. Als ich dann aber  nach etwas mehr als einer Stunde die Kölner Skyline unter mir immer größer wurde, überwog die Vorfreude und Neugier auf den Abend. In der Einladung zum Fest stand unter anderem, das „renommierte Politik-, Hochschul- und Stiftungsvertreter“ anwesend sein würden.  Auch von „festlicher Garderobe“ war die Rede, wofür ich auf jeden Fall immer zu haben bin (meine italienischen Wurzeln lassen sich hier wohl nicht verleugnen J ). Die Location klang recht vielversprechend: In der Wolkenburg war ich zwar noch nie, habe aber nur Positives darüber gehört.

 

Köln – Wolkenburg , 18 Uhr

Ein Mittagessen, einen Frisörbesuch sowie eine hektische Last-Minute-Bügelaktion später sprinte ich die Zülpicher Straße  in Richtung Neumarkt entlang – mit Plateauschuhen und langem Jumpsuit, eine Herausforderung der besonderen Art. Am  Mauritiussteinweg erwartet mich Melina – wir haben uns bei den Bewerbertagen der Stiftung kennengelernt und festgestellt, dass wir beide auf der Kölner Ursulinenschule unser Abi gemacht haben. Auch sie sieht dem Anlass entsprechend sehr elegant aus. Ein bisschen aufgeregt sind wir beide, als wir durch das Tor in den Innenhof der Wolkenburg treten.

Für ca. 5 Sekunden stehen wir etwas verlassen inmitten all der Menschen, die bereits da sind. Dann kommt der Geschäftsführer der Stiftung, Thomas Erdle, auf uns zu und heißt uns willkommen. Und keine 2 Minuten später plaudern wir, mit Erdbeerbowle versorgt, mit den anderen „Neuen“ darüber, wann die Zusage den eine oder anderen erreichte, wer die weiteste Anreise hatte, wie das Studium so läuft. Als von drinnen ein Gong ertönt, begeben sich alle ins Innere der Wolkenburg. Wenn der Innenhof bereits beeindruckt war, ist es der Festsaal umso mehr: Der Raum ist lichtdurchflutet, an der Decke hängen riesige Kronleuchter, alle Tische sind weiß eingedeckt. Namensschilder zeigen die Sitzordnung an. Bevor ich Platz nehme, lasse ich alles nochmal auf mich wirken, und mir wird in diesem Moment erneut die Wertschätzung bewusst, die die Stiftung uns entgegen bringt. Ein so prachtvolles Fest, nur, um uns willkommen zu heißen. Ich bin beeindruckt und fühle mich geehrt.

 

Am Tisch sitze ich mit 3 weiteren Stipendiaten und 5 Stiftern zusammen. Hie und da sieht man im Saal ein bekanntes Gesicht, wie Mitarbeiter der Stiftung, Juroren und Stifter, aber auch Personen des öffentlichen Lebens, die man aus Fernsehen und Politik kennt: Die ehemalige RTL-Journalistin Janine Steeger und die NRW-Staatssekretärin Serap Güler sitzen direkt am Nachbartisch. Zur Begrüßung spricht Reinhard Elzer, der Vorsitzende des Verwaltungsrats ein paar Worte, danach folgt die Gruppendiskussion, an der neben Serap Güler auch Andreas Buschmann, der Leiter der Bildungsförderung der Stiftung sowie Prof. Sylvia Heuchemer, Vizepräsidentin für Lehre und Studium der TH Köln sowie Dr. Ulrich Hinz, der den Bereich Schülerförderung der Stiftung der Deutschen Wirtschaft leitet, teilnehmen. „Chancengerechtigkeit in unserem Bildungswesen“ lautet das Thema. Vielmehr geht es aber, so empfinde ich es jedenfalls, um den gegenwärtigen Status quo. Chancenungleichheit trifft es wohl eher: Studierende kommen meistens aus Akademikerfamilien, Frauen wagen sich selten an technische Studiengänge, und häufig braucht man selbst für Ausbildungsberufe das Abitur, dessen Nutzen sich selten erschließt. Während der Diskussion wird mir erneut bewusst, wie privilegiert ich eigentlich bin – und ich nehme mir vor, dass nie als selbstverständlich anzusehen.

 

Zwischen den einzelnen Programmpunkten sorgt Lisa Baeyens, ebenfalls Stipendiatin, für ein erfrischendes musikalisches Intermezzo auf  der Querflöte. Dass dies Instrument alles andere als einfach zu händeln ist, zeigt  sich auch jetzt. Lisa allerdings überzeugt mit Können und Ausdrucksstärke. Nachdem sie ihr erstes Stück beendet hat, folgt für uns Neulinge wohl der aufregendste Teil des Abends: Uns werden die Stipendiatenurkunden verliehen, die uns offiziell bescheinigen, nun Teil der Stiftung zu sein. Jeder einzelne von uns wird von Herrn Buschmann namentlich auf die Bühne gerufen – auch das jeweilige Studienfach und der Studienort werden genannt. Viele bunte Gesichter mit vielen unterschiedlichen Studiengängen sieht man auf die Bühne gehen, alle strahlen, alle fühlen sich sichtlich geehrt. Als eine der letzten gehe auch ich mit etwas wackeligen Beinen nach vorne – „jetzt bloß nicht hinfallen!“ und „halt dich gerade!“ denke ich mir. Als mir die Urkunde schließlich von Herrn Elzer überreicht wird, bin ich nicht nur stolz, sondern auch sehr dankbar. Was für eine Ehre, hier mit dabei sein zu dürfen! In diesem Moment durchfährt mich ein Motivationsschub: Mein Ziel, das Studium zu einem zufriedenstellenden Abschluss zu bringen zu wollen, steht mir jetzt noch deutlicher vor Augen.

 

Was danach folgt, reiht sich ein in das Programm eines rundum gelungenen Abends: Weitere musikalische Einlagen von Lisa, eine Stipendiatenrede von Patrick Koehnen, und im Anschluss ein Abendessen, für das man die Köche mit einem Michelinstern prämieren könnte. Als man zu späterer Stunde aus dem Foyer Musik hört, die einem das Stillsitzen schwer macht, begeben auch Melina und ich uns auf die Tanzfläche. Ausgelassen, gelöst und unbeschwert wird die Nacht zum Tag gemacht – und so geht es noch weiter bis in die frühen Morgenstunden. Irgendwann gegen 3 Uhr reiße ich mich schweren Herzens los, meine Füße tun weh und ich bin müde, seit fast 24 Stunden bin ich auf den Beinen. Zufrieden laufe ich in Richtung Zülpicher Platz zurück und danke innerlich meiner Mutter: 1200 km Anreise für ein paar Stunden – es hat sich selten so gelohnt!