„Mein Wunsch ist es, in der Bildungsförderung tätig zu werden.“
Im Sommer mussten wir Abschied nehmen von unserem Geschäftsführer Andreas Buschmann. Sein plötzlicher Tod war für alle, die ihn kannten, ein Schock. Über viele Jahre hat er mit seiner herzlichen, klugen und bescheidenen Art den Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds geprägt.
Ein Nachruf von Viola Schmidt, Dezember 2025
Wo beginnt man, wenn man über Andreas Buschmann sprechen möchte? Vielleicht bei der Musik, einer seiner größten Leidenschaften. Sie reichte über die gesamte klangvolle Bandbreite: von sakralen Chorwerken über Rockgrößen der 60er- und 70er-Jahre bis zu elektronischer Musik. Er spielte Gitarre, Querflöte und Synthesizer, sang in jüngeren Jahren in einer A-cappella-Gruppe und – das mag einige überraschen – war Bassist in einer Metal-Band. Diese Vielseitigkeit spiegelte nicht nur sein musikalisches Interesse wider, sondern auch seine Offenheit und seinen weiten Blick auf Menschen und die Welt.
Chormusik als Lebensbegleiter
Besonders die Chormusik hatte einen festen Platz in Andreas Buschmanns Leben und prägte viele seiner persönlichen und beruflichen Begegnungen. Fast 40 Jahre sang er in Düsseldorf im Chor der ehemaligen Hofkirche St. Andreas. Ein renommierter Chor, der mit großen Werken von Brahms bis Händel und einem professionellen Orchester auftrat – auch international: Florenz, Rom, Chartres. In der französischen Hafenstadt Saint-Malo fanden im Sommer die großen Probenfreizeiten statt. „Bis zum Schluss war Saint-Malo der musikalische Sehnsuchtsort für Andreas“, erinnert sich Professor Andreas Speer, der jahrelang mit Buschmann im Chor sang und mit ihm an der Universität zusammenarbeitete.
Was Andreas Buschmann am Chor schätzte, war die Gemeinschaft seit dem Gymnasium, die Möglichkeit, große Kompositionen zu singen und an beeindruckenden Orten aufzuführen. Seine Lebenspartnerin Wiebke Henning erzählt: „Bei Andis Noten kleben fast überall noch die Blätter zusammen, und sie enthalten keine Notizen. Er hat sie nicht gebraucht, er konnte alles aus dem Kopf singen.“ Wie bei vielen Beteiligten, habe die Zeit im Chor auch bei Andreas Buschmann einen lebenslangen Eindruck hinterlassen.
Kind der Düsseldorfer Altstadt
Als jüngerer von zwei Söhnen wächst Andreas Buschmann über der elterlichen Konditorei auf. Im Herbst hilft er bei der Massenproduktion der Weckmänner und drückt ihnen Pfeifen ins Gesicht. Eine Kindheit voller Kuchenduft. Seine Eltern unterhalten bis in die 1980er-Jahre mehrere Cafés. Die traditionsreiche Konditorei „Buschmann 1846“ gibt es heute noch. Die Wohnung direkt über dem Gewerbe ist bis zu seinem Tod Andreas Buschmanns Zuhause. Das Pendeln nach Köln nimmt er in Kauf – zu wohl fühlt er sich dort, zu viel gibt es, das ihn in der Landeshauptstadt hält: Familie, Freunde – und natürlich sein Chor. Jeden Montagabend Probe im Gemeindesaal von St. Andreas in der Düsseldorfer Altstadt. Dort ist er auch Mitglied im Kirchenvorstand. Eine „sichere, führende, klangvolle Tenor-Stimme“, so beschreibt ihn sein Chor in einem Nachruf. Vor allem aber habe er sich durch sein „empathisches Wesen, seine Hilfsbereitschaft, seinen Humor, seine verbindliche Art, seine Begeisterungsfähigkeit“ ausgezeichnet.
Fragt man Menschen, die Andreas Buschmann kannten, dann sind genau das die Worte, die man immer wieder zu hören bekommt. Er war einer, der sich mehr Gedanken um die anderen machte als um sich selbst. Professor Thomas Grundmann, der an der Universität zu Köln lange mit Buschmann zusammenarbeitete, beschreibt ihn so: „Andreas hatte die seltene Fähigkeit, seine Umgebung in einen freundlichen Ort zu verwandeln, an dem sich jeder wohl, angenommen und respektiert fühlte. Ein wunderbarer Mensch, der sich nie in den Vordergrund drängte.“
Geisteswissenschaftler mit Leib und Seele
Für sein Studium zieht es Buschmann Mitte der 1990er Jahre nach Köln. Er ist der Erste in seiner Familie, der studiert. Seine Partnerin Wiebke Henning glaubt, dass ihn die Arbeit beim KGS auch deshalb so motiviert und interessiert hat. In Köln studiert er Philosophie, Geschichte und Deutsche Philologie. Geisteswissenschaftler mit Leib und Seele – jemand, mit dem man spontan über die großen Fragen des Lebens philosophieren oder sich über einen gerade gelesenen Roman austauschen kann. Seine Magisterarbeit schreibt er Mitte der 2000er-Jahre über Averroes, einen bedeutenden arabischen Philosophen des 12. Jahrhunderts, der sich intensiv mit Aristoteles befasste. Die Philosophie beschäftigt Andreas Buschmann weit über sein Studium hinaus. Bis zuletzt liest er philosophische Schriften von Nietzsche bis Voltaire – auch im Urlaub. Am Thomas-Institut der Universität zu Köln befasst er sich mit mittelalterlicher Philosophie, zunächst als studentische Hilfskraft, später als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Immer wieder zieht es ihn für Praktika aus der Wissenschaft hinein in die Arbeitswelt verschiedener Institutionen – und schließlich auch zum Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds.
Der Weg zum KGS
Es ist einem glücklichen Zufall zu verdanken, dass Andreas Buschmanns Weg 2007 in die Geschäftsstelle des KGS führt. Professor Andreas Speer, damals sein Vorgesetzter am Thomas-Institut, hat im Rahmen eines Förderprojekts Kontakt zum KGS. Er erfährt von der ausgeschriebenen Praktikumsstelle. „Ich machte Andreas auf diese Ausschreibung aufmerksam, denn er war nach dem erfolgreichen Studienabschluss auf der Suche nach einem passenden Berufsfeld für sich.“ Und Andreas Buschmann bewirbt sich. In seiner Bewerbung schreibt er im September 2006: „Mein Wunsch ist es, beruflich im Bereich der Bil-dungs- und Wissenschaftsförderung tätig zu werden.“ Dieser Wunsch sollte in Erfüllung gehen. Und wie.
Fragt man Kolleg*innen, die ihn bereits in seiner Anfangszeit bei der Stiftung kannten, sind sich alle einig: „Wir waren schockverliebt“, so beschreibt es Tanja Ahrendt, die 17 Jahre in der Bildungsförderung des KGS arbeitete. „Du brauchtest mit Andreas keinen Eisbrecher, er war einfach direkt mittendrin, ein totaler Sympathieträger. Er hatte so eine unbedarfte, charmante und humorvolle Art. Wir haben oft auf dem Boden gelegen vor Lachen, weil Andreas wieder aus dem Nichts einen lustigen Spruch gebracht hatte. Dabei ging sein Humor nie auf Kosten anderer. Er hat die Stimmung im Team einfach immer aufgehellt.“
Bildungsförderung aus Leidenschaft
Andreas Buschmann findet sich mühelos in seine neuen Aufgaben. Die Bildungsförderung, das bestätigt sich schnell, ist genau das Richtige für ihn. Zur Zeit seines Praktikums arbeiten in der Geschäftsstelle des KGS nur eine Handvoll Mitarbeitende. Gerade wird das Auswahlverfahren der Stipendiat*innen ganz neu aufgebaut. Dr. Ademola Adediji, ehemaliger Stipendiat des KGS erinnert sich: „Ich hatte das Glück, Herrn Buschmann erstmals im Jahr 2007 im Rahmen des Auswahlverfahrens auf Schloss Bensberg kennenzulernen. In einem kurzen Gespräch gab er mir hilfreiche Tipps für das Auswahlverfahren und machte auf mich einen überaus sympathischen und klugen Eindruck. Zwei Jahre später, nachdem er von der Stiftung als Mitarbeiter übernommen worden war, erinnerte ich mich an dieses Gespräch und wusste: Die Stiftung hat sich für einen äußerst geeigneten und kompetenten Menschen entschieden.“
Nahtlos an sein Praktikum anschließend, wird Andreas Buschmann als fester Mitarbeiter in der Bildungsförderung übernommen. Von Anfang an ist es der Kontakt zu den Geförderten, der ihm besonders wichtig ist. Er nimmt sich Zeit, hat immer ein offenes Ohr.
Türen öffnen, Chancen schaffen
„Andreas war offen, zugewandt, hat das Gespräch gesucht, auch wenn es unbequem war“, so beschreibt ihn Alumna Susan Zare. „Er hat Türen geöffnet.“ Als einige Alumni mit der Idee auf Buschmann zukommen, ein Mentoring-Programm ins Leben zu rufen, ist er sofort begeistert. Er setzt die Idee um und macht das Mentoring-Programm zum festen Bestandteil der Bildungsförderung. Ein Möglichmacher.
Mit „Bildung fördern e. V.“ entsteht für Buschmann 2011 ein Herzensprojekt: ein Ort, der Stipendiat*innen, Ehemalige und engagierte Menschen aus dem Netzwerk des KGS zusammenbringt, um jungen Menschen neue Bildungschancen zu eröffnen. Mit Vereinsgründung übernimmt Andreas Buschmann ehrenamtlich die Geschäftsführung und bleibt bis zu seinem Tod in dieser Funktion. Sandra Grzesiek, die sich viele Jahre ein Büro mit Buschmann teilte, erinnert sich: „Er nahm dieses Ehrenamt sehr ernst. Ein paar Mal wollte ich ihm bei Kopierarbeiten oder beim Briefe-Eintüten helfen. Er hat das immer strikt abgelehnt und gesagt, ,Nein, das ist mein Ehrenamt, das mache ich alleine.‘“ Mit seiner sympathischen und zugewandten Art gewinnt Buschmann schnell viele Menschen für den Förderverein.
Netzwerker und Bildungsförderer
2015 wird er Leiter der Bildungsförderung – ein Schritt der sich für alle im Team ganz natürlich und folgerichtig anfühlt. Er baut das Bildungsprogramm des KGS erheblich aus und hebt es auf eine ganz neue qualitative Stufe. Er knüpft Beziehungen, vernetzt die Stiftung mit wichtigen Partnern wie der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung, der Karl Rahner Akademie oder der Dr. Hans Riegel-Stiftung. Er ist aktiv in den Arbeitskreisen Bildung und Wissenschaft des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Ein Netzwerker.
Bei den jährlichen Stiftungsfesten übernimmt er irgendwann auch die feierliche Übergabe der Stipendien. Wer schon einmal bei einem KGS-Stiftungsfest war, kennt die besondere Stimmung eines solchen Abends – und den festlichen Akt, wenn die Namen aller neuen Stipendiat*innen verlesen werden, ein besonderer Moment, der die neuen Geförderten in die Gemeinschaft des KGS aufnimmt. Für Andreas Buschmann besonders wichtig: alle Namen korrekt auszusprechen. Asja Meissner, Leiterin der Bildungsförderung, erinnert sich: „Er hat die Namen im Vorfeld des Festes ausgiebig geübt. Bei manchen, besonders komplexen Namen hat er sie sich vorher sogar vorgesungen, um sich die Aussprache korrekt einzuprägen. Ich erinnere einen sehr langen, komplizierten Namen, den er dann auf der Bühne ‚vorgesungen‘ hat. Der Saal hat getobt vor Begeisterung.“
Entwicklung beim KGS
Zwischen 2011 und 2017 absolviert Buschmann berufsbegleitend ein weiteres Studium: Im Abendstudium erwirbt er einen Master of Business Administration an der Universität Osnabrück. Tagsüber Vollzeitjob bei der Stiftung, abends lernen für den Abschluss. „Ich habe das sehr bewundert, dass er dieses Studium neben der Arbeit durchgezogen hat“, erinnert sich Tanja Ahrendt. „Ich dachte damals, dass er sich danach bestimmt wegbewirbt. Aber er blieb. Und auch das passte zu ihm.“
Andreas Buschmann prägt den KGS weiter. 2023 übernimmt er auf Initiative des damaligen Geschäftsführers Thomas Erdle gemeinsam mit diesem die Geschäftsführung in einer Doppelspitze. 2025 führt Buschmann dann die Geschäftsführung in alleiniger Verantwortung fort. Der Verwaltungsrat kennt ihn seit vielen Jahren und ist überzeugt, dass er die richtige Wahl für diese Position ist. Reinhard Elzer, Vorsitzender des Verwaltungsrates, beschreibt ihn so: „Er zeichnete sich durch hohes Engagement, fachliche Kompetenz, viele gute Ideen und eine große menschliche Wärme aus. Bescheiden, wie er war, nahm er diese Aufgabe mit Dank und Demut an, aber zugleich mit dem festen Willen, den KGS in eine gute Zukunft zu führen.“
Als Geschäftsführer kommen neue Arbeitsbereiche hinzu, eines aber bleibt: „Die Bildungsförderung und der Kontakt zu den Geförderten, das war bis zuletzt seine große Leidenschaft“, so Asja Meissner. Eine Alumna schreibt in ihrem Kondolenzbrief: „Er hat sich jedes Mal an mich erinnert, trotz der zig Menschen, die der KGS unterstützt.“ Es ist dieses aufrichtige Interesse an Menschen, das Andreas Buschmann auszeichnete und ihn in seiner Arbeit hat aufblühen lassen.
Vermächtnis und Weiterwirken
„Was auch immer ein Mensch an Gutem in die Welt hinaus gibt, geht nicht verloren.“ Dieses Zitat, das auf den deutsch-französischen Arzt und Theologen Albert Schweitzer zurückgeht, ist nicht einfach nur ein schöner Kalenderspruch. Er trifft im Fall von Andreas Buschmann genau ins Schwarze. Viele seiner Ideen und Werte prägen den Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds nachhaltig. Mit dem Andreas Buschmann Bildungsfonds möchte der KGS nicht nur die Erinnerung an einen besonderen Menschen und Kollegen bewahren. Mit dieser Stiftung führt der KGS fort, wofür Andreas Buschmann ein Leben lang eintrat: eine faire und solidarische Gesellschaft, in der Bildung für alle zugänglich ist und niemand zurückgelassen wird.
Die Vielstimmigkeit und die Verbundenheit, die Andreas Buschmann im Chor erlebte und so sehr liebte, sie ist gewissermaßen ein Spiegel seines beruflichen Wirkens. Sein ganzes Handeln war darauf ausgerichtet, unterschiedliche Menschen zu verbinden, sie gemeinsam aktiv werden zu lassen. Weil man gemeinsam mehr erreicht. Musik war für ihn ein weiteres Band, das Menschen miteinander verknüpft. Seine Lieblingsband war Pink Floyd. 1975, im Jahr seiner Geburt, erschien ihr neuntes Studioalbum. Es trägt den Titel: „Wish you were here“.

