Gerechtigkeit? – „Die ewige Frage der Menschheit“


29./30. November 2019 | Karl-Rahner-Akademie, Köln


 

Seminartitel: Gerechtigkeit? – „Die ewige Frage der Menschheit“

 

Veranstaltungsort

Karl-Rahner-Akademie, Köln

Beginn: 29.11.2019, 13:00 Uhr
Ende: 30.11.2019, 13:00 Uhr

 

Beschreibung

„Die ewige Frage der Menschheit“ – so bezeichnete der berühmte Verfassungs- und Völkerrechtler Hans Kelsen (1881 – 1973) die Frage nach der Gerechtigkeit. Und er fährt fort: „Keine andere Frage ist so leidenschaftlich erörtert, für keine andere Frage so viel kostbares Blut, so viel bittere Tränen vergossen worden, über keine andere Frage haben die erlauchtesten Geister – von Platon bis Kant – so tief gegrübelt. Und doch ist diese Frage heute so unbeantwortet wie je. Vielleicht, weil es eine jener Fragen ist, für die die resignierte Weisheit gilt, dass der Mensch nie eine endgültige Antwort finden, sondern nur suchen kann, besser zu fragen.“ „Besser fragen können“ setzt allerdings voraus, die überlieferten Antworten – wenigstens punktuell und möglichst exemplarisch – zur Kenntnis zu nehmen und kritisch auf ihre Tragfähigkeit zu überprüfen. Genau dies ist das Anliegen dieses Seminars, in dem ausgewählte Positionen dessen, was man heute modisch als „Gerechtigkeitsdiskurse“ bezeichnet, anhand einschlägiger philosophischer Text(auszüg)e gemeinsam bearbeitet werden sollen.

 

Zeitplan

Freitag, 29. November 2019

13.00 – 13.30 Uhr: Vorstellung des Programms und der Arbeitsweise

13.30 – 15.00 Uhr:
Themenblock I: Bilder, Allegorien, Spruchweisheiten, Begriffe; Problemaufriss zum Themenfeld; Gerechtigkeit als individuelle „Tugend“ und gesellschaftliche Verfassung

15.30 – 17.00 Uhr:
Themenblock II: Politische Gerechtigkeit und Gleichheit
1. Der Gedanke eines Naturrechts und die damit verbundenen Probleme
2. Begründungskonzepte: Kooperation (Aristoteles); Konflikt (Vertragstheorien); Gerechtigkeit als Fairness (Rawls)

17.15 – 18.00 Uhr:
Themenblock III: Gerechtigkeit als Haltung (habitus)
1. „Einem Jeden sein Recht zuerkennen“
2. Gerechtigkeit im Pluralismus: Toleranz

19.00 – 21.00 Uhr
Vortrag mit Diskussion: Den Abendvortrag unter dem Titel „Globale Gerechtigkeit“ wird der Philosoph Dr. Matthias Hoesch halten. Er ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die praktische Philosophie Kants und die politische Philosophie der Gegenwart. Eine Habilitationsschrift zum Zusammenhang von Territorialrechten und Migrationsethik ist in Vorbereitung.
„Globale Gerechtigkeit. Zwischen Gleichheit und Minimalstandards: Thesen zur globalen Gerechtigkeit“
Die meisten Staaten zielen heute mit Umverteilungsmechanismen und ihrer Bildungspolitik darauf ab, dass die ökonomischen Ungleichheiten zwischen den Bürgern nicht zu groß werden und Chancengleichheit herrscht. Die moralische Notwendigkeit solcher Umverteilungen wird heute überwiegend anerkannt. Aber wie ist das auf globaler Ebene – hätten Staaten nicht in gleicher Weise die Pflicht, die Situation der Armen auf der ganzen Welt zu verbessern? Oder gelten auf globaler Ebene andere Gerechtigkeitsstandards als innerhalb von Staaten? Wenn ja, warum eigentlich? Der Vortrag führt in die aktuelle philosophische Debatte ein und verteidigt ein mehrstufiges Konzept der Gerechtigkeit.

Samstag, 30. November 2019

10.00 – 11.30 Uhr:

Themenblock IV: Gerechtigkeit und Recht
1. Gerechtigkeitsprinzipien der Justiz
2. Gerechtigkeit und Billigkeit
3. Strafgerechtigkeit

11.45 – 13.00 Uhr:

Themenblock V: Bereichsspezifische Gerechtigkeitsdiskurse und mehr
1. Bildungsgerechtigkeit
2. Generationengerechtigkeit
3. Über Gerechtigkeit hinaus: Gemeinsinn und Freundschaft
4. Rückblick und Einschätzung des Seminars

Arbeitsmaterialien: Textauszüge aus Werken:
Platon, Aristoteles, Thomas von Aquin, Kant, Kelsen, Pieper, Rawls, Sandel, Höffe, Fischer

 

Leitung

Dr. Hans-Gernd Neugebauer

 

Veranstaltet in Kooperation mit der Karl-Rahner-Akademie Köln und der Jakob-Kaiser-Stiftung.